Mittwoch, 20. Mai 2015

Französischer Friedhof I - Berlin



Der Französische Friedhof I. in direkter Nachbarschaft zum deutlich bekannteren Friedhof  der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden (bekannt als Dorotheenstädtischer Friedhof) gelegen, wurde 1780 außerhalb der damaligen Stadtmauer auf einer Fläche von 5.833 m² von der Französisch-Reformierten Gemeinde angelegt.
Die beiden Friedhöfe sind mit einer aus Kalkstein bestehenden Mauer von einander getrennt.



Laut altem Schild neben dem Eingangstor und Informations-Schaukasten direkt nach dem Eingang an der Chausseestraße 127 wird der hier vorgestellte Friedhof als 'Kirchhof der französisch-reformierten Gemeinde zu Berlin' bezeichnet. Der Text erzählt die Geschichte der französischen Gemeinde zu Berlin, so wie die des Friedhofs. Ergänzt werden die Texte mit einzelnen Aufnahmen verschiedener Grabanlagen, sowie einem Lageplan, auf dem die Standorte der Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten markiert sind.
Auf der Rückseite des Schaukastens ist diese Information in englischer Sprache ausgehängt.



Der I. Französische Friedhof in der Oranienburger Vorstadt sollte den in Berlin lebenden Nachkommen der Hugenotten als letzte Ruhestätte dienen. Er hat sich recht schnell zur Hauptbegräbnisstätte der französischen Gemeinde entwickelt und wurde bereits im Jahr 1835, also nur 55 Jahre nach seiner Eröffnung zu klein, so dass in Berlin der Französische Friedhof II an der Liesenstraße eingerichtet werden musste.

Das damals angelegte Wegesystem ist nur noch in Teilen erhalten. So bestand es ursprünglich aus einem Wegkreuz, bestehend aus einer längs und einer quer verlaufenden Hauptachse, sowie einem umlaufenden Weg entlang der Einfriedung, einem sog. Umgehungsweg. Von diesen Wegen sind die Längs- und Querachsen, das Wegekreuz noch vorhanden, sowie die Umgehungswege an der Ost- und Westseite des Friedhofs.



Die Hauptwege säumen Hecken von chinesischem Flieder, welche der Anlage ein ganz besonderes Flair verleihen.


Geprägt wird die gesamte Anlage von einem ganz wunderbaren alten Baumbestand. So bilden die Robinien, welche teils über 150 Jahre alt sind, zusammen mit dem Spitzahorn, Rosskastanien, den für Berlin so typischen Linden in ihrer lockeren Anordnung einen schönen Anblick auf die gesamte Friedhofsanlage.



Nur wenige der alten Grabstätten sind heute noch erhalten. Doch die wenigen die noch erhalten sind, zeugen davon, welche Bedeutung die Hugenotten für Berlin und damit für die wirtschaftliche aber auch geistige Entwicklung der Stadt hatten und geben dem gesamten Friedhof ein historisches Antlitz, obwohl die meisten heute bestehenden Grabanlagen aus der Zeit nach 1945 stammen.

Dominiert wird der Blick über den Friedhof vor allem vom Grab des Predigers, Staatsbeamten und Erzieher von König Wilhelm IV. Jean Pierre Frédéric Ancillon, einem Sarkophag aus Marmor, entworfen von Karl Friedrich Schinkel 1840 und dem von dem von Friedrich August Stüler entworfenen Grab für Peter Louis Ravené, einem bekannten Kaufmann und Kunstsammler aus dem Jahr 1862.
Beide Gräber, sowie auch die Grabstätten der Architekten Schinkel und Stüler vom benachbarten Dorotheenstädtischen Friedhof werden in separaten Post's vorgestellt.




Neben den beiden oben erwähnten Ravané und Ancillon haben auf dem Französischen Friedhof I. noch viele weitere bekannte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Hier eine Aufstellung.

Paul Ackermann (1812–1846), französischer Sprachwissenschaftler und Schriftsteller
Frédéric Ancillon (1766–1837), Erzieher von König Friedrich Wilhelm IV. und preußischer                    Staatsmann (unterschrieb am 12. Juni 1834 mit Metternich das Wiener Schlussprotokoll)
Franz Bendel (1833–1874), Komponist
Erich Böhme (1930–2009), Journalist und Fernsehmoderator
Daniel Chodowiecki (1726–1801), Kupferstecher
Ludwig Devrient (1784–1832), Schauspieler
Emil Heinrich Du Bois-Reymond (1818–1896), Physiologe (Grab eingeebnet, es existiert nur eine        Gedenktafel)
Felix Henri Du Bois-Reymond (1782–1865), Lehrer
Madame Du Titre (= Marie Anna Dutitre) (1748–1827), Berliner Original
Eberhard Esche (1933–2006), Schauspieler
Amy Frank (1896–1980), Schauspielerin
Dieter Franke (1934–1982), Schauspieler
Willi Geismeier (1934–2007), Kunsthistoriker
Benjamin George (1739-1823), Unternehmer und Mäzen, Namensgeber der Georgestraße                  (Monumentalsarkophage auch mehrerer Familienangehöriger)
Heinrich Greif (1907–1946), Schauspieler
Jenny Gröllmann (1947–2006), Schauspielerin
Rolf Herricht (1927–1981), Schauspieler und Komiker
Harry Hindemith (1906–1973), Schauspieler
Gottfried Kolditz (1922–1982), Regisseur
Karl Ludwig Michelet (1801–1893), Philosoph
Hendrik George de Perponcher Sedlnitzki (1771–1856), General und Diplomat
Klaus Piontek (1935–1998), Schauspieler
Friedrich Quincke (1865–1934), Chemiker
Pierre Louis Ravené (1793–1861), Industrieller und Kunstsammler – Kostbares Grabmal von              Friedrich August Stüler; der liegende Ravené stammt von Gustav Blaeser
Käthe Reichel (1926–2012), Schauspielerin
Günter Reisch (1927-2014), Filmregisseur
Friedrich Richter (1894–1984), Schauspieler
Helga Sasse (1942–2013), Schauspielerin
Klaus Schlesinger (1937–2001), Schriftsteller
Horst Schönemann (1927–2002), Schauspieler und Regisseur
Carl Steffeck (1818–1890), Maler
Ehrenfried Stelzer (1932–2010), Direktor der Sektion Kriminalistik der Humboldt-Universität              1957–1989
Gustav Trampe (1932–2006), Journalist
Fritz-Georg Voigt (1925–1995), Übersetzer, Herausgeber und Lektor
Peter Voigt (1933-2015), Autor und Regisseur von Dokumentarfilmen
Gerhard Wolfram (1922–1991), Intendant des Landestheaters Halle und des Deutschen Theaters



An der rechten hinteren Ecke des Friedhofs führt ein Tor direkt auf den Dorotheenstädtischen Friedhof.